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Der Rosmarin

Geschätzt in der Küche und bei den Kranken

Er ist ein immergrünes, aromatisch duftendes Gewächs Südeuropas und Nordafrikas, wärmebedürftig und frostempfindlich. Der kleine, in seiner Heimat aber 1 - 2 m hoch werdende, buschig verzweigte Halbstrauch, bei uns bestenfalls 70 cm erreichend, benötigt in Mitteleuropa einen Winterschutz oder wird im Kübel gezogen und während der kalten Jahreszeit im Hause gehalten. Der Stengel ist vierkantig und flaumig behaart. Die gegenständigen Blätter haben eine lanzettliche, beinahe nadelförmige Gestalt und eine Länge von 2 - 3 cm, sind mit einer dicken Haut ausgestattet und besitzen unterseits eine weißfilzige Behaarung. Sie fühlen sich ledrig an. Alle Merkmale deuten auf Trockenresistenz hin. So ist verständlich, daß der Rosmarin nur auf einem durchlässigen, trockenen Boden und in einem milden bis warmen Klima gedeihen kann. In Scheinquirlen, die zu kurzen Trauben vereinigt sind, stehen die hellblauen-violetten Lippenblüten.

Wissenschaftlich heißt er Rosmarinus officinalis und gehört zur Familie Lippenblütler (Lamiaceae, Labiatae). Seine näheren Verwandten sind Salbei, Thymian und Taubnessel, die ebenfalls wichtige Heilpflanzen sind. Der Rosmarin wird in manchen deutschsprachigen Gegenden auch Kranzenkraut, Meertau oder Weihrauchwurz genannt.

Da die Pflanze im Mittelmeergebiet beheimatet ist und wertvolle Wirkstoffe beinhaltet, wurde sie von den dort lebenden Menschen schon früh genutzt. Im Alten Ägypten wurden Rosmarinzweige den toten Pharaonen ins Grab gelegt, damit ihnen eine gute Reise ins Land der Seelen beschert war. Im klassischen Altertum der Griechen wurde die Pflanze der Göttin Aphrodite geweiht und diente bei verschiedenen Anlässen als Schmuck. Bei Zeremonien der Antike galt sie auch als Symbol der Ehe, der Liebe, aber auch des Todes. Solche Sitten und Gebräuche wurden bis ins Mittelalter fortgesetzt. In Deutschland wurde deshalb Rosmarin als Geister abweisendes Kraut geschätzt.

Als Heil- und Gewürzpflanze wurde der Rosmarin erstaunlicherweise erst spät entdeckt. So weiß z.B. Theophrast nichts über ihn zu berichten, und Dioskurides erwähnt nur seine wärmende Kraft und sein Einsatz bei Gelbsucht. Erst ab dem Mittelalter wurde seine heilende Wirkung gerühmt. Kolonisierende Benediktinermönche brachten ihn nach Mitteleuropa. Im Capitulare de Villis Karls des Großen wurde er aufgeführt und fand Aufnahme im Klostergarten von St.Gallen. Auch in anderen europäischen Ländern tauchte er auf, so beispielsweise in Frankreich und in England. Als Nektarspender erlangte er Berühmtheit durch den würzigen Geschmack des aus seinem Nektar bereiteten Honigs. Besonders bekannt wurde im 14.Jahrhundert durch den ungarischen Königinnen-Geist (Aqua Regia Hungaria), der aus dem Destillat frischer Rosmarinblüten gewonnen wird. Mit diesem Getränk wurde die damals 72jährige, an Rheuma erkrankte und gelähmte Isabella von Ungarn so gesund und verjüngt, daß der König von Polen um ihre Hand anhielt. In den Kräuterbüchern des 16. und 17.Jahrhunderts nimmt der Rosmarin seinen festen Platz als Heilpflanze ein . Die Angaben über seine Wirkungen und die Liste der Indikationen wurden im Laufe der Zeit immer umfangreicher. Nach Lonicerus (1564) soll er leber-, blut- und gebärmutterreinigend, erweichend, schweiß-und harntreibend, emmenagog und verdauungsfördernd sein, sowie Epilepsie, Krebs und Fußgicht heilen, schließlich auch zur Erhöhung der Fruchtbarkeit beitragen. Für Matthiolus (1626) war er vor allem Stärkungs- und Anregungsmittel und wurde zur Reinigung von Wunden eingesetzt. 1675 erschien von einem unbekannten Autor ein Buch, das sich nur mit der Verwendung von Rosmarin beschäftigte (Rosmarinbüchlein, mit 200 Rezepten für ,,Curen un Arzeneyen"). In Weinmanns Phytanthoza iconographia (1745) ist die Pflanze auch bei Seh-, Gehör- und Gedächtnisschwäche, Frauenleiden (fluor albus, Amenorrhoe, Sterilität), Anämie, Magenkrämpfen, Wassersucht angezeigt. In der Volksheilkunde wurde er nicht nur als verdauungsförderndes Mittel sondern auch als Abortivum geprießen.

Bei Madaus (1938) findet man beachtenswerte Hinweise aus der tschechischen Volksmedizin. Nach Veleslavin soll Rosmarin Augen, Magen und Gehirn stärken, üblen Mundgeruch beseitigen, Fall-, Schwind- und Gelbsucht, Husten und Pest heilen und Zähne reinigen, wobei die Anwendungsweisen der verschiedenen Pflanzenteile meist unüblich ist (Bad, Inhalation; Asche, in Ziegenmilch gekocht, in Kornsprit mazeriert, trocken gekaut; Wurzel, Blätter, Blüten).

In der heutigen Zeit ist nur die Blattdroge (Rosmarini Folium, früher Folia Rosmarini) offizinell und anerkannt. Die Droge wird aus Blättern gewonnen, die während und nach der Blüte im Sommer gesammelt wurden. Außerdem finden Verwendung die aus den Blättern hergestellten Zubereitungen (Salbe, Spiritus, Öl).

Als wirksame Inhaltsstoffe werden angegeben: ätherisches Öl (1 - 2,5 %) mit 1,8-Cineol (15- 40 %), Borneol (10- 18 %), Borneolacetat (2 - 17 %), alpha- und beta-

Pinen (bis 25 %)Kampfer (15 - 25 %), Rosmanol als Hauptbestandteile, außerdem

Terpineol-4, alpha-und beta-Fenchen, p-Cymol, Dipenten, Myrcen, Camphen, Ursol-, Oleanol-, Rosamarin- und Carnosol-Säure, Carnosol, sowie Gerbstoffe (bis 8 %) und Saponin. Nach der Monographie der Kommission E des früheren Bundesgesundheitsamtes wird für die Droge als Anwendungsgebiete innerlich dyspeptische Beschwerden und unterstützende Therapie rheumatischer Erkrankungen sowie äußerlich Kreislaufbeschwerden angegeben. Sie soll innerlich krampflösend im Bereich der Gallenwege und des Dünndarms wirken, positiv die Schlagkraft des Herzmuskels beeinflussen, den Koronardurchfluß steigern, äußerlich die Haut reizen und die Durchblutung fördern. Gegenanzeigen, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Mitteln sind nicht bekannt. Doch können größere Dosen des Öls heftige Gastro-Enteritiden und Nephritiden auslösen.

Die aus der Volksmedizin kommenden Angaben dürfen wir, die wir uns mit alternativen Heilweisen befassen, nicht unberücksichtigt lassen. So sei es gestattet, daß an dieser Stelle noch einige Rezepte mitgeteilt werden .

Zur Anregung : Ersatz von Kaffee oder Schwarzen Tee, auch zur Verbesserung des Zustandes von Patienten mit niedrigem Blutdruck und Schwäche. Messegue (1976) schreibt: ,,Der Rosmarin ist in erster Linie ein unvergleichliches Anregungsmittel. Ich habe Dutzenden von Blutarmen, Rekonvaleszenten, Greisen, Erschöpften, Neurasthenikern und Depressiven mit Rosmarinaufguß und Rosmarinbädern in wenigen Tagen neue Kraft gegeben".

Rezept für einen Aufguß:
eine gute Handvoll Rosmarinblätter mit einem Liter kochendem Wasser übergießen, einige Minuten stehen lassen, abseihen, davon täglich 3 Tassen trinken.

Krämpfe:
bei Messegue (1976) steht: ,,es (Rosmarin-Kraut) ist krampfstillend: ich empfehle es gegen Husten, Keuchhusten, Asthma, Herzklopfen, Nervosität, Angstgefühle, Schlaflosigkeit und gegen nervös bedingte Migräne".

Rezept für einen Aufguß:
eine halbe Handvoll Rosmarinblätter mit einem Liter kochendem Wasser übergießen, einige Minuten stehen lassen, abseihen, davon täglich eine Tasse trinken.

Wasser der Königin von Ungarn:
gegen Gicht, Rheuma, unbestimmte Schmerzen, Depressionen, zur Verjüngung.

Rezept:
3 Teile Rosmarintinktur und 1 Teil Lavendeltinktur mischen, davon täglich innerlich einen Kaffeelöffel voll oder verwendbar als Massagemittel.

Unpäßlichkeiten: (aus Raff 1977)
Rezept für Tropfen:
eine Handvoll Rosmarinzweige mit 1/4 Liter Branntwein übergießen; diese Mischung in einem Fläschchen aufbewahren; hält sich jahrelang; bei Bedarf davon 10 - 15 Tropfen auf Zucker dreimal täglich nehmen.

Schwindel:
Rezept: vom Rosmarinaufguß täglich 1 - 2 kleine Tassen schluckweise nehmen.

Als Harntreibmittel:
hilft auch bei Herzwassersucht.

Rezept für Wein:
eine Handvoll Rosmarinblätter in einem Liter Rotwein (48 Stunden) oder in einem Liter Weißwein (24 Stunden) einweichen, abseihen, zu jeder Mahlzeit (drei- bis viermal) ein kleines Glas voll trinken.

Als Emmenagogum:
bei Madaus (1938) ist zu lesen: "Rosmarin wird in erster Linie als Emmenagogum (auch bei Amenorrhoe und Oligomenorrhoe infolge Adipositas) verordnet". Rezept für Kaltaszug: 2 Teelöffel Rosmarinblätter mit 2 Glas Wasser kalt ansetzen, 8 Stunden stehen lassen, abseihen, davon tagsüber trinken.

Rheuma:
Rezept für ein Hand- oder Fußbad: ein Liter Wasser zum Kochen bringen, 5 Minuten stehen lassen; wenn die Flüssigkeit kaum noch lauwarm ist, 2 gute Hände voll getrockneter Rosmarinzweige hineingeben und diese Mischung, vor Staub geschützt, 4 - 5 Stunden stehen lassen (Basispräparat); für ein Hand- oder Fußbad 2 Liter Wasser aufkochen, 5 Minuten stehen lassen, dann ein Liter des Basispräparates hineingießen, darin baden.

Hier nicht unerwähnt bleiben darf, daß frische oder getrocknete Rosmarinblätter auch ein hervorragendes Gewürz ist, das insbesondere in der italienischen, französischen und spanischen Küche, häufig gemischt mit anderen Kräutern, verwendet wird. Es dient in kleinen Mengen (für 4 Personen 1 Teelöffel) zum Würzen von Suppen, Soßen, Salaten, Gemüsen, gekochten Kartoffeln, Teigwaren, Fischgerichten (mariniert),fleischspeisen (Lamm, Hammel, Schwein), Wildbret und Wurstwaren. Das mexikanische Nationalgericht Rosmeritas, das mit Maismehl und Krabben zubereitet wird, enthält ebenso Rosmarin wie das zur Herstellung von Pizza genutzte Gewürz.

Rosmarin hat übrigens einen kampferartigen, würzigen Duft sowie einen herben, etwas scharfen, bitter-aromatischen Geschmack.

H. Dapper

entnommen den BERLINER HEILPRAKTIKER NACHRICHTEN

 

 

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