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Altes und Neues vom Sanddorn

Wer kennt ihn nicht, den heimischen Vitaminspender, den dornigen Strauch mit den gelb-orange gefärbten Früchten , die Pionierpflanze auf den Dünen der Nordseeküste ? Der Sanddorn ist ein interessantes Gewächs, das hier vorgestellt werden soll. Dabei geht es einerseits um mehr oder weniger bekannte Fakten, aber auch um neue Erkenntnisse, die vor allem die Inhaltsstoffe der Früchte sowie die medizinische Anwendung betreffen.

Der Gemeine Sanddorn, wissenschaftlich Hippophae rhamnoides, wird in manchen Gegenden auch Seedorn oder Korallenstrauch genannt. Er wird gemeinsam mit zwei anderen Arten der Familie der Ölbaumgewächse (Elaeagnaceae) zugeordnet, zu der die hier wenig bekannte nordamerikanische Büffelbeere (Shepherdia) und die insbesondere im eurasischen Raum beheimateten Ölweiden-Arten gehören.

Bei allen Sanddorn-Arten handelt es sich um licht- und wärmeliebende, sommergrüne, dornig bewehrte , zweihäusige Pioniersträucher und -bäume mit wechselständigen, kurz gestielten, schmalen Blättern und eingeschlechtigen Blüten und beerenähnlichen Früchten. Ihr Verbreitungsgebiet liegt in Eurasien.

Hippophae rhamnoides wird je nach Ökotyp und Standort 1,5 bis 4 m hoch, ausnahmsweise bis 6 m. Er bildet ein dichtes, bis 10 m weit und flach wachsendes Wurzelsystem, aus dem sich Sprosse entwickeln. Die Wurzeln leben in Symbiose mit luftstickstoffbindenden Bakterien (Gattung Franckia, Sektion Actinomycetes), die durch braune Knöllchen sich bemerkbar machen. Die Sproßerneuerung geschieht an der Peripherie der Krone. Ältere Äste und Zweige sterben ab, so daß ein betagtes Gehölz im Innern ein trockendorniges Verzweigungssystem aufweist. Die sich ab Mai entwickelnden Triebe verdornen bis zum Herbst. Im Folgejahr blüht und fruchtet das Holz der vorjährigen Zweige. Die lineallanzettlichen Blätter haben eine Länge von 5 - 8 cm, eine Breite von 5 - 7 mm. Durch die oberseits zerstreut angeordneten Schüppchen sind sie grünlichgrau. Auf der Unterseite kommen Schildhaare vor, die eine silbrigweiße Färbung hervorrufen und dem Verdunstungsschutz dienen. Die Seitennerven sind undeutlich. Es gibt männliche und weibliche Pflanzen auf Grund der Anordnung unterschiedlicher Blüten. Die unscheinbaren weiblichen Blüten erscheinen zwischen März und Mai vor dem Blattaustrieb in den Achseln von Schuppenblättern, sind nur 5 mm groß, kurzgestielt, besitzen eine grüne Kelchröhre mit zwei kleinen Zipfeln, duften würzig nach Honig, locken deshalb Insekten an. Die männlichen Blüten brechen zur gleichen Zeit aus rotbraunen, kugeligen Knospen hervor, bestehen aus zwei Kelchblättern, die vier Staubblätter bogenförmig bedecken. Der Blütenstaub wird durch den Wind übertragen. Die eßbaren Früchte wiegen 10 bis 90 g pro 100 Stück, haben eine Länge von 7 - 8 mm und eine Breite von bis zu 6 mm, sind von kugeliger, zylindrischer oder walzenförmiger Gestalt, haben eine gelbe, orangegelbe oder korallenrote, glänzende, dünne, aber derbe Haut, die vor allem zur Spitze zu gehäuft Schildhaare trägt. Botanisch gesehen sind sie keine Beeren sondern Steinfrüchte, denn die Fruchtwand ist dünn, umhüllt den Samen, während das wäßrig-fleischige ,,Fruchtfleisch" aus der erhalten gebliebenen Kelchröhre gebildet wird. Bei dem ,,Kern" handelt es sich um den Samen. Er ist etwas asymmetrisch, schwach abgeflacht, länglich-eiförmig, schwarzbraun und glänzend.

Beim Sanddorn lassen sich nach seinem natürlichen Vorkommen zum einen die maritime Unterart, die sich in den Ost- und Nordseeanliegerstaaten befindet, und zum anderen die kontinentalen Unterarten des Binnenlandes unterscheiden. Letztere haben ihre Verbreitung von den Pyrenäen über die Alpen, Karpaten, dem Kaukasus, Pamir, dem Altai bis zum 2 Baikal und nach Tibet. Die Ökotypen weisen Unterschiede im Habitus, im Gerüstaufbau, in der Bedornung, in der Frucht und in den Inhaltsstoffen auf. In Mitteleuropa kommt Hippoph. rhamnoides ssp. rhsmnoides an der Küste auf Sand vor, ssp. fluviatilis an den Alpenflüsse auf Schotter in Auen oder in Kiefern-Trockenwald-Verlichtungen vor. Das Substrat ist trocken, in der Tiefe zeitweise naß, gelegentlich auch überflutet, basenreich, meist ka1khaltig, roh, humus- und feinerdearm, sandig-kiesig.

In der ehemaligen UdSSR wurde schon 1934 mit der zielgerichteten Auslese von Sanddorn begonnen. Zunächst wurden dazu wertvolle Formen aus dem Altai, aus Mittelasien, Ostsibirien und der Mongolei zusammengetragen. 1965 entstand die erste Plantage mit wirtschaftlich und biologisch wertvollen Formen. Im Forschungsinstitut für Gartenbau in Sibirien wurden die ersten großfrüchtigen, ertragreichen, dornenlosen Sorten gezüchtet; Die damaligen Vorarbeiten an Alpen-, Nord- und Ostseeherkünften wurden erst Mitte der sechziger Jahre in der ehemaligen DDR weitergeführt. Wichtige Sorten sind heute "Leikora", ,,Hergo", ,,Frugana" ,Dorana' und ,,Askola". Sie zeichnen sich vor allem durch hohen Vitamin C-Gehalt der Früchte aus.

1941 entdeckte Hörmann den beachtlichen Vitamin C-Gehalt der Früchte des Sanddorns. Darmer setzte diesbezüglich die Untersuchungen fort. Seine Veröffentlichungen erschienen 1946 und 1952. Rousi konnte 1971 die Ergebnisse bestätigen. Danach weisen die Früchte von Sanddornpflanzen kaukasischer und asiatischer Herkunft einen geringeren Gehalt an Vitamin C auf als diejenigen, die von der Küste oder aus dem Alpenraum stammten. In den letzten Jahren wurden die Analysen fortgesetzt und wurden auch auf andere Inhaltsstoffe ausgedehnt.

Neben Wasser (83 g/1O0 g) enthalten die Früchte Eiweiß (1,4 - 2,8 g), fettes Öl (5 -8,5 g), das aus Glyceriden der Oleinsäure (10,5 %), Stearinsäure (10,4 %), Linol- und Palmitinsäure (6,1 %) besteht, Kohlenhydrate (7,64 g; davon sind 105 - 914 mg Glucose und 19 7 415 mg Fructose, sowie 0,5 - 0,4 % Pektine), Rohfaser (0,8 g), Gesamtsäure (1,5 5,3 g, davon 1,1 - 5,9 mg Äpfelsäure) und Mineralstoffe (0,45 g), zu denen vor allem Kalium, Magnesium, Calcium gehören. Besonders beachtenswert ist Sanddorn wegen seiner Vitamine. Selbst die Schwarze Johannisbeere wird in ihrer gesamten biologischen Wertigkei um ein Vielfaches übertroffen. Gegenwärtig sind im Sanddorn zehn Vitamine bekannt, von denen sechs als wasser- und vier als fettlöslich bezeichnet werden. An erster Stelle ist das Vitamin C zu nennen, das durch die in der Frucht enthaltenen Bioflavonoide aktiviert wird. Die Gehalte an Vitamin C (Ascorbinsäure) schwanken beträchtlich. Grund dafür sind, wie schon weiter vorne erwähnt, das Herkunftsgebiet oder aber die durch Züchtung gewonnenen Sorten. So haben Früchte von russischen Sorten 50 - 125 mg pro 100 g Frischsubstanz, von DDR-Sorten 150 - 650 mg und solche, die aus dem Alpenraum stammen, bis 1500 mg. Wenn Rohsäfte getestet werden, kommt man auf über 2500 mg / 1. Niedriger pH-Wert und das Fehlen des vitaminabbauenden Enzyms Ascorbinsäureoxidase sorgen dafür, daß bei der Lagerung von Rohsaft kaum Verluste auftreten. Weiter sind aufzulisten:

Carotinoide (10,1 - 40,9 mg/100 g, davon 2 - 12 mg Carotin, außerdem Kryptoxanthin, Zeaxanthin und Physalein), Vitamin P (75 - 100 mg), Vitamin E (5 - 15 mg), Vitamin K (1 - 1,2 mg) sowie Vitamin B1 (Thiamin), B2 (Riboflavin), B3 (Niacin) und B9 (Folsäure) in Mengen von unter 1 mg. Die Früchte des Sanddorns werden auf Grund der Inhaltsstoffe ernährungsphysiologisch als wertvoll eingestuft und wirken infektionshemmend, stärkend und kreislaufanregend. Es gibt Fertigpräparate in Form von Dicksäften, Nektar und 5 Konfitüren, die pur bzw. mit Milch, Joghurt, Quark, zu Müsli oder Brei bzw. als Brotaufstrich genossen werden können.

Es lassen sich aber auch aus den Früchten Öle gewinnen, die in letzter Zeit Bedeutung in medizinischer und kosmetischer Sicht bekommen haben. Das Fruchtfleischöl ist relativ dünnflüssig, kräftig orangerot gefärbt, schmeckt und riecht typisch nach Sanddorn. Es ist kühl und dunkel aufzubewahren. In ihm sind 95,5 % Fettsäuren (davon 52,8 % gesättigte und 50,6 % ungesättigte Fettsäuren mit 15,6 % Linolensäure) sowie 550,4 mg% Vitamin E (davon 184,4 alpha- Tocopherol), 378 mg% Carotinoide und 1,4 mg% Sitosterol enthalten. Das Samenöl (Kernöl) ist auch dünnflüssig, aber von gelbroter Farbe und weist keinen Sanddorngeruch auf. Es ist haltbarer als das aus Fruchtfleisch gewonnene Öl. Inhaltsstoffe sind 16,55 % Oleinsäure, 47,6 1% Linolsäure, 18,3 % Linolensäure , 260 mg% Vitamin E (davon 140,7 alpha-Tocopherol), 38,1 mg% Carotin - , 1,3 mg% Sitosteron und Gerbstoffe.

Wenn von Sanddornöl (oleum Hippophaes) gesprochen wird, handelt es sich um ein Gemisch beider Öle. Es wird aus den Preßrückständen der Fruchtschalen und der Samen gewonnen und ist reich an fettlöslichen Vitaminen und ungesättigten Fettsäuren. Seine Kon-sistenz ist dünnflüssig, seine Farbe dunkelrot. Es hat einen leichten Sandorngeruch. Sanddornöl, das schon seit langer Zeit in Rußland und Tibet Verwendung findet, wirkt äußerlich genommen schmerzlindernd und entzündungshemmend, läßt Wunden (Dekubitus, Verbrennung, Sonnenbrand, phlegmonöse Akne, Strahlenschäden) schneller abheilen, weil es die Granulation und Epithelisierung fördert, verringert die Faltenbildung und Alterung, macht pergamentartige Haut weich und wieder funktionstüchtig und trockene, rissige elastisch und widerstandsfähig. Auch Schleimhäute können mit Sanddornöl behandelt werden. So werden z.B. Gebärmutterhalserosionen (Kolpitis, Endocervitis) sowie Affektionen des Genital- und Analbereiches und der Mundhöhle günstig beeinflußt werden. Die orale Einnahme von 1 - 3mal täglich ist empfehlenswert, wenn die Schleimhaut von Magen und Darm beruhigt, überschüssige Salzsäurebildung (Gastritis, Ulcus) reguliert und Geschwülste gut- oder bösartiger Natur in ihrem Wachstum gehemmt werden sollen. Darüber hinaus ist die Bindung von Toxinen , die Funktion als Fänger von freien Radikalen, der Abbau von Entzündungen der Darmschleimhaut und die Stabilisierung der Mikroflora festgestellt worder

Auch in der Kosmetik wird das Sanddornöl heute verwendet. Unterdessen gibt es auch in Deutschland Salben, Cremes, Lotionen, Emulsionen sowie auch reines Öl, die als gut wirksame , hautverträgliche Externa genommen werden. Auf Grund des hohen Wirkstoffgehaltes und der physiologischen Eigenschaften werden sie besonders als Sonnenschutzpräparate empfohlen. Die Firma Biologische Präparate in Osnabrück führt in ihrem Programm eine qualitativ hochwertige Naturkosmetik-Serie mit Sanddornöl.

aus: berliner heilpraktiker nachrichten

Hp. Prof.Dr. H. Dapper



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