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TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) und Naturheilkunde

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Weihrauch: Ein neues altes Phytotherapeutikum

Materialkunde - Geschichte - Pharmakologie - Therapie

von Rolf Julian E.-Fazekas



In den letzten Jahren ist das "Wundermittel" Weihrauch durch die Medien gegeistert. Alles Schall und (Weih-)Rauch? Klinische Studien haben die antiphlogistische Wirkung der Boswelliasäuren bestätigt. Das für die Rheumatherapie revolutionäre Wirkprinzip ist entschlüsselt. Neue Anwendungsmöglichkeiten tun sich auf. Jedoch: Vergessen wir über die neuen Erkenntnisse nicht die Erfahrungen vergangener Jahrhunderte!

 

1. Olibanum

Der in der Apotheke verkaufte Weihrauch heißt "Olibanum". Ursprünglich bezieht sich dieser Name auf den weißen Milchsaft, der bei der Ernte aus den Bäumen austritt. Andere offizielle Bezeichnungen sind "Gummi olibanum" oder "Gummiresina". In Indien nennt an das medizinisch verwendete Weihrauchharz "Salai Guggul".

Der pharmazeutische Großhandel liefert Olibanum in granis. Alkoholische Trockenextrakte (wie z.B. in H15 enthalten) sind in Deutschland nicht zu beziehen. Angeboten wird Olibanum als - Wirkstoff, -Räuchermittel und - kosmetischer Stoff.

In früheren Jahrhunderten hatten die Araber das Monopol über den Weihrauchhandel, so dass die Herkunft der Substanz lange verschleiert war. Der heute handelsübliche Weihrauch kommt aus Arabien, Somalien und Indien.

Die aktuellen Impulsin der Weihrauchtherapie kommen von eben dieser indischen Medizin, die sich hauptsächlich der Arten Boswellia sacra und Boswellia serrate bedient. Letztere - Boswellia serrata - steht mittlerweile im Mittelpunkt des therapeutischen Interesses:
Der große verzweigte Baum aus der Familie der Burseraceae gedeiht in den trockenen Bergregionen Nordost-Indiens. Die Weihrauchgewinnung erfolgt in den Monaten von Ende Oktober bis Ende April durch mehrfaches Anschneider der Bäume. Der Ertrag beläuft sich auf 1 kg Harz im Jahr pro Baum.

Die Qualität der Harzstücke ist sehr heterogen: Medizinische Verwendung findet nur die 1. Qualität, die durch tropfen- oder kolbenförmige weißlich-grünliche Harztränen von mindestens 3 cm Länge charakterisiert ist. Schlechtere Qualitäten weisen zunehmend braune und dunkle Anteile auf. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass auch die heimische Naturheilkunde seit Jahrhunderten auf die Verwendung weißer Harzkörner Wert legt (s.u.). Bisher hat man über 200 verschiedene chemische Verbindungen aus Olibanum isoliert. Es sind hierbei fünf Hauptfraktionen zu differenzieren (s. Tab. 1).

Fraktion Gh Bs 1
Ätherisches Öl 5 - 9% bis 15%
Harz (Davon 50 % Boswellia-Säuren) 60% 55 - 57%
Gummi 20% 20 - 23%
Bassorin 6 - 8% (o. A.)
Bitterstoffe, Schleim 0,5% (o.A.)

Tab. 1: Inhaltsstoffe von Olibanum
Gh: Qualität deutscher Großhandel
Bs: indische Qualität Boswellia serrata
o.A.: ohne Angabe

Die deutsche Großhandelsqualität unterscheidet sich etwas vom indischen Boswellia-serrata-Olibanum: Die Zusammensetzung der ätherischen Öle ist unterschiedlich; ihr Anteil an der Gesamtzusammensetzung ist beim indischen Weihrauch deutlich höher, was für kosmetische und religiöse Verwendung wichtig ist. Die medizinisch relevante Fraktion ist die der Harze, die zur Hälfte aus Boswellia- (Harz-)Säuren bestehen. Boswelliasäuren sind pentazyklisch-triterpenoide Substanzen, die u.a. antiphlogistisch wirken 2. Interessant: Der Harzanteil der deutschen Großhandelsqualität liegt sogar geringfügig über dem der indischen. Damit errechnet sich der Anteil der Boswelliasäuren - theoretisch auf ca. 30 %. (Gh) bzw. 27,5-28,5 % (Bs).

 

2. Die Geschichte

Die Anfänge der Naturheilkunde sind eng verwoben mit religiösen Traditionen. Der Weihrauch hat schon seit Jahrtausenden seinen Platz in den Religionen der Welt - bis heute. Früher wurde er - zusammen mit Myrrhe - nicht nur bei Gottesdiensten, sondern auch bei Gottesgerichten verwendet, da man seinem Duft eine beruhigende Wirkung zuschrieb (11). Die Ärzte der Antike schätzen ihn sehr: Obwohl sie vom Limbischen System und seinem Bezug zu Gerüchten und Gefühlen noch nichts ahnten, postulierten die Ägypter, dass man mit Düften Psyche und Wohlbefinden beeinflussen könne. Weihrauch und Myrrhe hatten nach ägyptischer Erfahrung hohe Wirksamkeit bei der Wiederherstellung seelischen Gleichgewichts. Räucherungen des Körpers steigerten die sexuelle Ausstrahlung ägyptischer Frauen. Und schließlich findet sich auch bei den Ägyptern die klassische Indikation: Rheuma. In der Ayurvedischen Medizin Indiens wird Weihrauch (hauptsächlich aus Boswellia serrata, aber auch B. sacra u.a.) seit immerhin 3000 Jahren erfolgreich bei zwei Indikationsgebieten eingesetzt: bei entzündlichen Erkrankungen und bei Nervenleiden.

Weihrauch als Pharmakon hatte seinen festen Platz auch in der klassischen griechischen Medizin, wie die hippokratischen Schriften belegen. Die Juden verwendeten Weihrauch natürlich im Tempel und beim Gebet. Weihrauch und Myrrhe sind an vielen Stellen in der Bibel genannt und gehörten fest zur jüdischen Glaubenspraxis. Mit Myrrhe und Weihrauch versetzter Wein (ähnlich dem griechischen Retsina) wurde als Schlaftrunk und zur Betäubung von Hinrichtungskandidaten gereicht (11). Auch in das erste geschlossene medizinische System des Abendlandes fand der Weihrauch Eingang - wohl aus der kirchlichen Tradition: Hildegard von Bingen setzt ihn bei Schwerhörigkeit und Tinnitus ein. Zweierlei verdient hier besondere Beachtung: Hildegard arbeitet ausdrücklich mit weißen Weihrauchkörnern. Und: die von ihr vorgeschlagene Räucherung des Gehörganges weist eine starke Analogie mit indianischen Ohrkerzen auf (21).

Aus der Klostermedizin gelangte der Weihrauch mit Beginn der Neuzeit in die weltliche Medizin: Aus dem 16. Jahrhundert stammen erste Belege über Oleum thuris (Weihrauchöl) in deutschen Offizinen (11). Auch für Sebastian Kneipp gehörte Weihrauch ganz selbstverständlich zu den Heilmitteln: Bei bestimmten Beschwerden empfahl er die tägliche Einnahme weißer Weihrauchkörner. Kneipp kannte die diesbezüglichen Schriften der Hildegard von Bingen sicher nicht 3. Offensichtlich geht die Verwendung des weißen Weihrauchs auf jahrhundertealte deutsche Erfahrung zurück.

Da Olibanum in granis zum traditionellen Bestand der Apothekenoffizin gehörte, wird er auch in der Deutchen Pharmakopoe (DAB1) aufgeführt (16). Das Arzneibuch beschränkt sich jedoch auf eine Beschreibung von Aussehen und Beschaffenheit des Stoffes. Weitere Zubereitungen oder Indikationen werden nicht angegeben. Interessanterweise taucht "Olibanum" in den späteren Deutschen Arzneibüchern nicht mehr auf:

Bis Mitte unseres Jahrhunderts kannte die traditionelle Pharmakologie in Deutschland folgende Verwendungen für Weihrauch:

(a) intern:
- Atemwege: Katarrhe, Pharyngitis
- Verdauungstrakt
- Harntrakt
- Gicht/Rheuma

(b) extern:
- Pflaster/Salben bei Ulcera, Furunkeln u.ä.

(c) Suppositorien aus Gummi Olibani, Galbani und Myrrhe 4

Durch das Gelingen erster Reindarstellungen um die Jahrhundertwende hat sich die Pharmakologie umorientiert - weg von den tradierten Pflanzenzubereitungen hin zu chemisch-pharmazeutischen Medikamenten. Dieser tiefgreifende Wandel fand seinen raschen und schier absoluten Durchbruch in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg - und ließ Olibanum in Vergessenheit geraten.

 

3. Wirkungen

Das therapeutische Interesse der Naturheilkunde richtet sich natürlich auf die antiphlogistische Wirkung von Olibanum. Zunächst hatte man erkannt, dass die pharmakologisch entscheidende Fraktion die der Harze ist; genauere Forschungen der letzten Jahre haben aus diesem Harzanteil wiederum die Boswelliasäuren isoliert und als träger der entzündungshemmenden Wirkung nachgeweisen:

Eine der Standardmethoden bei der Überprüfung möglicher Antiphlogistika im Labor ist das Rattenpfotenödem. Hierbei wir den Versuchstieren - Ratten - eine künstliche Entzündung an der Pfote gesetzt, die sich bald ödematös ausprägt. Gemessen wird nun die Wirksamkeit eines Antiphlogistikums daran, wie stark es das Volumen des Pfotenödems vermindert bzw. eine weitere Volumenzunahme eindämmt.

Die von Singh und Atal 1986 veröffentlichte Studie (20) zur Überprüfung eines alkoholischen Weihrauchextrakts am Rattenpfotenödem konnte die antiphlogistische Wirkung ganz eindeutig nachwiesen. Bei diesem Versuch zeigten sich einige besondere Züge in der Pharmakologie des Salai-Guggal-Extrakts: Weihrauch wirkt zwar eindeutig antiphlogistisch, jedoch (1) nicht direkt antipyretisch, (2) auch nicht unmittelbar analgetisch. (3) Die bei NSAR 5 bekannten gastrointestinalen Nebenwirkungen (Ulcera) konnten nicht festgestellt werden.

1991 gelang dann der Forschergruppe um Prof. Hermann Ammon, Universität Tübingen, der genaue Nachweis des Wirkprinzips der Boswelliasäuren (2). Die Entzündung ist ja ein sehr komplexer Schutzvorgang des Organismus, der von Mediatorstoffen in Gang gesetzt und gesteuert wird. Entzündungsmediatoren sind: Prostaglandine, Leukotriene, Kinine, Histamin, Serotonin und das Komplementsystem.

Leukotriene und Prostaglandine werden durch Umbauvorgänge aus Phospholipiden gebildet: Dabei wandelt das Enzym Phospholipase die Phospholipide zunächst in Arachidonsäure um. Von der Arachidonsäure führt nun je ein Weg zu den Leukotrienen (über das Enzym 5-Lipoxygenase) und zu den Prostaglandinen (über die Cyclooxygenase). Kortison, Säule der akademischen Rheumatherapie, hemmt die Phospholipase - und damit die Synthese von sowohl Leukotrienen als auch Prostaglandinen. Die NSAR wiederum blockieren selektiv die Synthese der Prostaglandine durch Hemmung des Cyclooxygenaseweges. Das außergewöhnliche Wirkprinzip des Weihrauchextrakts liegt, wie Ammon et al. zeigten, in der selektiven Hemmung der Leukotriensynthese durch Inhibition der 5-Lipoxygenase. Die Leukotriene bewirken bei der Entwicklung entzündlicher und allergischer (!) Prozesse u.a.:

- Chemotaxis
- Freisetzung hydrolytischer Enzyme
- Erhöhung der Gefäßpermeabilität
- Infiltration des Entzündungsgewebes durch Leukozyten
- Phagozytose
- Kontraktion der Muskulatur von Bronchien und Gefäßen

Neben der allgemein antiphlogistischen Wirkung durch Blockade dieser Leukotrienaktionen konnten dem Weihrauchextrakt im Labor noch weitere therapeutische Eigenschaften nachgewiesen werden:
Immunmodulation bzw. Immunsupression: Weihrauchextrakt reduziert die totale Leukozytenzahl und damit einhergehend die Einwanderung polymorphkerniger Leukozyten in das Entzündungsgewebe. Von besonderem Interesse: Es konnte sogar eine Hemmung der Antikörpersynthese festgestellt werden (1; 2).

1987 berichteten Wagner, Knaus und Jordan (22) über ihre Versuche mit Weihrauchextrakt zur Beeinflussung des Komplementsystems: Bei einem Komplementtest mit Meerschweinchenserum als Komplementquelle und Hammelerythrozyten zeigte sich in vitro, dass Weihrauchextrakt den Ablauf der Komplementkaskade in immunmodulatorischem bzw. - suppressivem Sinn beeinflusst.

Internationales Aufsehen erregten die Untersuchungen von Simmet, Heldt, Winking (8) zur Wirkung von alkoholischem Weihrauchextrakt auf Gliablastome und Astrozytome (1996): Das Verblüffende an dieser klinischen Studie ist wohl die sehr kurze Zeit der Weihrauchmedikation (über sieben Tage dreimal täglich 1200 mg eines Trockenextraktes), deren Wirkung sich trotzdem deutlich an der neuropathologischen Nachanalyse der OP-Präparate zeigte. Erwartungsgemäß fand sich bei den Patienten ein deutlicher Rückgang des peritumoralen Ödems - im Sinne der bereits nachgewiesenen antiphlogistischen Wirkung. Überrascht hat jedoch die Tatsache, dass diese kurzzeitige Weihrauchmedikation in 50 % der Fälle zu erheblichen Nekrosen des Tumorgewebes geführt hat. Aufgrund dieser Ergebnisse postuliert Prof. Simmet auch eine zytostatische Wirkrichtung von Olibanum.

 

4. Mythos H15

Spricht man in Fernsehen oder Presse vom "Wundermittel Weihrauch", so meint man damit das Medikament "H15 Ayurmedica". Fast alle klinischen Versuche zur Wirkung von Weihrauch sind mit diesem Mittel durchgeführt worden:

H15 wird eigentlich in Indien (Bombay) von der Gufic Ltd. hergestellt und ist dort unter dem Name "Sallaki" zugelassen. In die Schweiz wird es von der ebi-pharm ag (Lindachstraße 8c, CH-3038 Kirchlindach) importiert, die es auch vertreibt. Zugelassen ist es jedoch nicht für die ganze Schweiz, sondern nur für den Kanton Appenzell-Außerrhoden (7). H15 Ayurmedica sind Tabletten, die je 400 mg Trockenextrakt (Olibanum extractum siccum) aus Boswellia serrata enthalten. Die Packungsbeilage deklariert es als "pflanzliches Antirheumatikum" (7) mit den Indikationen aktive rheumatische Arthritis (rheumatoide Arthritis) und juvenile chronische Arthritis.

Der therapeutische Einsatz von H15 in Deutschland gestaltete sich bisher problematisch, inzwischen ist er jedoch möglich geworden - auf ärztliche Verordnung:

Natürlich versucht man schon seit Jahren, die Zulassung von H15 (bzw. eines analogen Präparates) in Deutschland zu erwirken. Besonders bemüht sich hier die Firma Ayurmedica in (D-82343) Pöcking. Wie allgemein bekannt, ist ein Zulassungsverfahren in Deutschland sehr langwierig und kostspielig. Es erfordert große klinische Studien mit standardisierten (!) Extrakten bzw. Reindarstellungen und umfassende toxikologische Prüfungen.

Während die bisher durchgeführten klinischen Untersuchungen dem vorgeschriebenen Rahmen noch nicht entsprechen, hat man doch schon in den 80er Jahren toxikologische Tests an Ratten, Hunden, Affen und in vitro vorgenommen. 1988 äußerte Prof. Dr. H. Greim (München) in einem bislang unveröffentlichten Gutachten (Fa. Ayurmedica), aus pharmakologisch-toxikologischer Sicht bestünden keine Einwände gegen eine deutsche Zulassung von H15 (27). Trotzdem wird es noch Jahre dauern, bis ein solches Medikament in Deutschland zugelassen ist.

Den Import von H15 behandelten die deutschen Behörden zunächst unterschiedlich: man empfahl den Apothekern, von Fall zu Fall bei ihrer zuständigen Überwachungsbehörde um Erlaubnis zu fragen (25). Rechtliche Grundlage für den Import von Arzneimitteln aus dem Ausland ist § 73 (3) des Arzneimittelgesetzes (AMG). Dieser besagt, dass ein Medikament nur unter der Voraussetzung importiert werden kann, dass es in seinem Herkunftsland über eine gültige Zulassung verfügt. Als Importeur fungiert der Apothekenleiter. Der Import kann aus der Schweiz nur auf Verschreibung eines Arztes und nur für eine bestimmte Person (Patient) vorgenommen werden (5; 25).

Dann stellte der AAAMP 6 fest: Ein Import von H15 sei unzulässig, weil das Produkt in seinem Herkunftsland (Schweiz) nur über eine eingeschränkte (nämlich regionale) Verkehrsfähigkeit verfüge (26).

Ein Versuch der Fa. Wira (Göppingen), das Medikament direkt aus Indien zu importieren, wurde vom baden-württembergischen Sozialministerium abgelehnt: Das Arzneimittel werde nämlich dort bereits für den Export mit deutschen Etiketten und Beipackzettel versehen. In dieser Aufmachung sei H15 im Herkunftsland (Indien) aber nicht "verkehrsfähig", womit die Bedingungen von § 73 (3) AMG nicht erfüllt seien (26). Mag diese Begründung dem einfachen Mann - unserem Patienten - auch absurd erscheinen, so entspricht sie doch einer höheren (Beamten-)Logik, und ist damit (fast) unumstößlich. Umgestoßen hat sie schließlich doch die Pharmasan GmbH in Freiburg, der es gelungen ist, die Importgenehmigung für H15 aus Indien - mit englischsprachigem Beipackzettel! - zu erwirken. Dieser Import ist - weil von außerhalb der EU - nur auf ärztliche Verordnung möglich.

 

5. Therapie

Die jahrhundertealte Erfahrung mit Olibanum als Phytotherapeutikum und in der Aromatherapie sowie die hier zusammengefassten Ergebnisse der modernen Weihrauchforschung weisen auf potentielle Einsatzmöglichkeiten im Bereich von Psyche, Verdauungstrakt (auch Atemtrakt) und Immunsystem.

Daraus leiten sich die möglichen Indikationen Rheuma, entzündliche Darmerkrankungen (Col. Ulc., M. Crohn), Allergien, Psoriasis und Asthma bronchiale ab:

Zu Verunsicherung führte das Arzneimitteltelegramm vom 14. August 1998, in dem die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie von der Anwendung der Boswelliasäuren abrät: Man hatte eine placebokontrollierte Studie 7 aus dem Jahr 1988 (!) ausgegraben, der zufolge für Weihrauch keine messbare Wirkung auf rheumatoide Arthritis nachzuweisen sei. Dazu ist Folgendes anzumerken: Der fragliche Artikel berichtet leider nur über einen Teil der - multizentrischen - Studie, und hat deshalb nur begrenzte Aussagekraft. Im übrigen sind seit 1988 in der internationalen Weihrauchforschung große Fortschritte gemacht worden. In Indien sind schon früh klinische Studien mit Salai-Guggal-Extrakt gemacht worden - eine offene, eine doppelblinde Cross-over-Studie und ein Langzeit-Verträglichkeitstest. Keudell (10) referiert über zwei placebokontrollierte Untersuchungen in Deutschland. In allen diesen Testen hat sich der Weihrauch-Extrakt in der Behandlung rheumatischer Gelenkbeschwerden bewährt.

Zur Behandlung entzündlicher Darmerkrankungen gibt es noch viel Forschungsarbeit zu bewältigen. Immerhin liegt zur Colitis ulcerosa eine offene klinische Studie aus Indien mit vielversprechenden Ergebnissen vor. Die Therapiemöglichkeiten bei M. Crohn werden zur Zeit untersucht. Auf die aufsehenerregenden Ergebnisse von Simmet et al. (8; 24) bei der Behandlung von Gehirntumoren wurde schon hingewiesen. Wichtig wäre es, in den nächsten Jahren den Einsatz von Olibanum bei Allergien, Psoriasis und Asthma bronchiale zu überprüfen. Hier kann aber auch der Therapeut unmittelbar an der "Front" wertvolle Erfahrungen sammeln. In der alten Humoralmedizin gehörte Olibanum - wie Aloe und die sehr ähnliche Myrrha - zum weiteren Kreis der Harzigen Bittermittel. Aschner wendet sie im Rahmen seiner tonisierenden Magentherapie und auch bei der Behandlung der anämischen Konstitution an, weil sie ein Wärmegefühl im Magen erzeugen, aber auch zirkulations- und stoffwechselfördernd wirken. Daneben zählt er Weihrauch zu den (milderen) Rubefacientia (4, S. 55). Nach dem Vorbild der alten Ägypter lässt sich im Rahmen einer Aromatherapie Extr. Olibani Massageölen zumischen oder mit entsprechendem Emulgator (Salz, Honig, Sahne) als tonisierender Badezusatz verwenden.

Will man mit der Langzeitbehanldung chronischer Gelenkbeschwerden erfolgreich sein, muss sich Weihrauch in ein synergistisches Therapiekonzept einfügen, wie z.B.:

Muskelrelaxation
- Wärme
- manuelle Therapien
- Moxibustion
- Neuraltherapie
Phytomedikation
- Salix alba
- Harpagophytum
- Urtica
- Olibanum
Humorale Maßnahmen
- Diätetik
- Regulation d. Verdauung
- Aschner-Verfahren

Unabhängig von den Nöten und Widrigkeiten eines H15-Imports - der für Heilpraktiker ohnehin zunächst nicht in Frage kommt - hat man in der naturheilkundlichen Gelenktherapie Olibanum in capsulis schon seit langem erfolgreich angewandt:

Rp.: Olibani capsulae 8
Olibani pulv. 0,3
Sacc. lact. q.s.
M.F. Caps.
d. tal. dos. Nr. CXX
4 x 1/Tag nach d. Mahlzeiten
(Preis ca. 75,-- DM)

Da diese Weihrauchkapseln keinen Extrakt, sondern pulverisiertes Olibanum enthalten, ist der Aufbau eines Depots für die Wirkung noch entscheidender als bei H15: Der Patient muss natürlich darüber aufgeklärt werden, dass die Wirkung langsam beginnt, und zwar nach ca. vier Wochen. Das Rezept - 120 Kapseln - reicht für einen Monat. Die Einnahme muss über längere Zeit erfolgen.

Man sollte in der Dosierung flexibel vorgehen: In der Anfangsphase der Therapie 3x2/die, dann generell 4x1. Bei starken Dauerbeschwerden auf 3x2, im akuten Schub auf 3x3 steigern.

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Die Verträglichkeit ist erfahrungsgemäß gut. Freilich sollten die Kapseln nicht auf nüchternen Magen genommen werden. Es kann in einzelnen Fällen zu Hauteffloreszenzen oder Pruritus kommen; diese Erscheinungen remittieren meist bei Fortsetzung der Therapie. Probleme bereitet manchmal das Schlucken der Kapseln, da für ein brauchbares Verhältnis von Olibanum und Füllmittel (Milchzucker) die größte Kapselgröße (00) eingesetzt werden muß 9. Weihrauch als Homöopathicum wird von vielen Kollegen nicht ganz ernst genommen: Die kritischen Stimmen (11) weisen darauf hin, dass Olibanum in den "großen" homöopathischen Arzneimittellehren nicht vorkomme und nur bei Voisin in der sog. "para-allopathischen Zone" aufgeführt werde (Indikation: Heiserkeit und Rauhigkeit der Stimmbänder, Trit. D3). Richtig ist, dass zu Olibanum keine regelrechten homöopathischen Arzneiprüfungen vorliegen, und dass die Anwendung als Homöopathicum auf Erfahrung beruht.

Die Zilly GmbH (Baden-Baden) hat eine homöopathische Olibanum-Serie auf den Markt gebracht: als Urtinktur, Salbe (Urtinktur: Wollwachsalkoholsalbe 1:9), Tabletten und Globuli in der D1. Es hat sich gezeigt, daß mit diesen Präparaten - natürlich innerhalb eines Gesamtkonzepts - sehr wohl Linderungen der Beschwerden zu erzielen sind. Beispielsweise lassen sie sich gut zur Intervallbehandlung zwischen längeren Kapselkuren einsetzen. Auch bei der Linderung eines akuten Schubs ist m.E. ein Versuch zur flankierenden medikamentösen Therapie angezeigt. Weihrauch in Kapseln, als Extrakt oder als "para-allopathisches" Homöopathicum - jeder Kollege sollte hier seine eigenen Erfahrungen machen. Je mehr empirische Erfahrung, desto besser. Soviel kann allerdings schon festgestellt werden: Weihrauch ist ein wertvolles, zu Unrecht in Vergessenheit geratenes Therapeutikum, das seinen Platz in der Erfahrungsheilkunde wieder einnehmen wird.

Anmerkungen
1 Die Daten für Boswellia serrata stammen aus (1). Die Angaben zur handelsüblichen Qualität sind der aktuellen ABDATA-Computerdatei des Apothekengroßhandels entnommen.
2 Therapeutisch wichtig ist die b-Fraktion. b-Boswellinsäure, Acetyl--Boswelinsäure und Acetyl-11-ketob-Boswellinsäure, wobei die Fachliteratur hier noch keinen einheitlichen Standpunkt vertritt.
3 "Causae et curae" wurde erst Ende des 19. Jh. in Kopenhagen wiederentdeckt.
4 Myrrha ist - dem Olibanum ähnlich - ein weißer Saft (Emulsion aus äther. Ölen, Harz, Gummi), der aus der Rinde der in Ostafrika und Arabien beheimateten Commiphora abyssinica und C. Schimperi stammt. Diese Baumarten gehören ebenso wie B. serrata zu den Burseraceae.
5 NSAR = Nonsteroidale Antirheumatica
6 Ausschuß für Apotheken- und Arzneimittelwesen und Medizinprodukte
7 Sander, O. et al.: Z. Rheumatol. 57 (1988), 11.
8 Dieses Rezept basiert auf einer Empfehlung von HP Wolfram Herzog, (64668-)Rimbach, der Olibanum seit Jahren bei der Therapie von Gelenkerkrankungen einsetzt.
9 An dieser Stelle ergeht herzlicher Dank an Herrn Dr. rer.nat. Dieter Strauß, Limbacher Apotheke, 66839-Schmelz-Limbach, der wertvolle Hinweise zur Galenik beigesteuert hat.


Literatur
(1) Aktuelle Weihrauchforschung. Wissenschaftlicher Erkenntnisstand zur Wirkung und Anwendung des Indischen Weihrauches. Infobroschüre der Fritz Zilly GmbH. Baden-Baden 1998.
(2) Ammon, H.P.T., T. Mack, G.B. Singh u. H. Safayhi: "Inhibition of leukotriene B4 formation in rat peritoneal neutrophils by an ethanolic extract of the gum resin exsudate of Boswellia serrata". Planta medica 57 (1991) Pp. 203-207.
(3) Ammon, S.: "Ein pflanzliches Antirheumatikum". Deutsche Apotheker Zeitung, 131. Jg., Nr. 19, Pp. 972ff.
(4) Aschner, Bernhard: Technik der Konstitutionstherapie. Heidelberg 1995 7.
(5) Binder, Gerhard, W. Hirche: Apothekenrecht kompakt. Juristischer Ratgeber für Apotheker. München 1996.
(6) Gupta, I. et al.: "Effects of Boswellia serrata gum resin in patients with ulcerative colitis". Europ. J. of Medical Research, Jan. 1997, 2(1) Pp. 37-43.
(7) H15 Ayurmedica - das Antirheumatikum aus der Ayurveda-Medizin. Produktinformation der Ebipharm AG. Kirchlindach 1998.
(8) Heldt, R.M., M. Winking, T. Simmet: "Cysteinyl-leukotrienes as potential mediators of the peritumoral brain oedema in astrocytoma patients". In: Naunyn-Schmiedebergs Arch. Pharmakol. 353/4S, R 142, Abstr. 538 (1996).
(9) Hellwig, Bettina: "Wirbel um Weihrauch". Deutsche Apotheker Zeitung,137. Jg., Nr. 3, S.5.
(10) Keudell, Chr. von: "Therapie mit Boswellinsäuren (Weihrauch) - eine Ergänzung oder sogar Alternative in der Therapie autoaggressiver Erkrankungen". In: DCCV-Journal, Heft 2/1995.
(11) Kloppenborg, Ralf, M.D. Kuno: "Phytoonkologie - Pflanzen in der naturheilkundlichen Krebsbehandlung". Naturheilpraxis 12/1998, Pp. 1939-1961.
(12) Köhlers Medizinal-Pflanzen. Hrsg. v. G. Pabst. Gera-Untermhaus 1887. Reprint von Auszügen aus dem Gesamtwerk. Hannover 1988.
(13) Martinetz, D., K. Lohs, J. Janzen: Weihrauch und Myrrhe. Stuttgart 1989.
(14) "Mechanism of antiinflammatory actions of curcumine and boswellic acids". J. Ethnopharmacol. (Irland), 1993, 38/2-3, Pp. 113-119.
(15) "Pflanzenextrakt wirkt bei Colitis". Ärzte Zeitung, 14.10.1996.
(16) Pharmacopoea Germanica. Deutsche Pharmakopöe. Berlin 1872. ("Olibanum", S. 262.)
(17) Reger, Karl-Heinz: "Weihrauch: Ein Medikament?" In: HP-Naturheilkunde 12/1998, P. 85.
(18) Safayhi, Hasan, P.T. Ammon: "Pharmakologische Aspekte von Weihrauch und Boswelliasäuren". Pharmazeutische Zeitung 97. Internetabdruck.
(19) Sellar, W., M. Watt: Weihrauch und Myrrhe. Anwendung in Geschichte und Gegenwart. München (Knaur) 1997.
(20) Singh, G.B., Atal, C.K.: "Pharmacology of an extract of salai guggal ex-Boswellia serrata, a new non-steroidal anti-inflammatory agent". Agents and Actions. Vol. 18, 3/4 (1986) Pp. 407-412.
(21) Strehlow, Wighard: Hildegard-Heilkunde von A-Z. Kerngesund von Kopf bis Fuß. München 1998.
(22) Wagner, H., W. Knaus und E. Jordan: "Pflanzeninhaltsstoffe mit Wirkung auf das Komplementsystem". Zeitschrift für Phytotherapie_8 (1987) Pp. 148 f.
(23) "Weihrauch bei Colitis ulcerosa". Deutsche Apotheker Zeitung, 137. Jg., Nr. 3, S.31.
(24) "Weihrauch gegen Hirntumoren? Interview mit Prof. Dr. Thomas Simmet". Deutsche Apotheker Zeitung, 137. Jg., Nr. 3, S. 32.
(25) "Weihrauchextrakt bei entzündlichen Krankheiten." Internet-Information der Arzneimittelkommission, Stand 2.10.98.
(26) "Weihrauchextrakt: H15 Ayurmedica". Internet-Information der Arzneimittelkommission, Stand 02.10.98
(27) "Weihrauchextrakt". Internet-Information der Arzneimittelkommission, Stand 2.10.98.


Anschrift des Verfassers:
Rolf Julian E. Fazekas, M.A.
Heilpraktiker
Boden 9
95473 Creußen

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